Prof. Roland Gorges M.A., Waldkindergartenkinder im ersten Schuljahr


Eine empirische Untersuchung (Auszug)

 

Der Waldkindergarten, ein aus Dänemark übernommenes Kindergartenkonzept, fasziniert auch in Deutschland immer mehr Erzieherinnen, Eltern und Kinder. Seit der Gründung des ersten Waldkindergartens in Flensburg im Jahr 1993 ist die Zahl dieser Einrichtungen inzwischen auf über 100 angewachsen. Die vorliegenden Erfahrungsberichte enthalten fast nur positive Aussagen: Die Kinder sind ausgeglichener, Aggressivität tritt seltener auf, die tägliche Bewegung in der frischen Luft tut ihnen gut, auch ihr Bezug zur Natur hat eine andere Qualität.

Dennoch gibt es auch kritische Stimmen, insbesondere wird gefragt, ob denn die Kinder in einer solchen „naturbelassenen" Form institutioneller Vorschulerziehung auch hinreichend auf die Anforderungen der Schule vorbereitet werden. Selbst wenn man die pädagogisch berechtigte Einstellung vertritt, der Kindergarten sei nicht in erster Linie dazu da, die Kinder auf die Schule vorzubereiten, ist die Sorge der Eltern durchaus legitim. Schließlich möchten sie nicht, dass ihre Kinder beim Start in die Schule gegenüber Kindern aus Regelkindergärten benachteiligt sind. Aus diesem Grund habe ich auf Anregung des Landesjugendamts Hessen zunächst eine kleinere Untersuchung durchgeführt, die sich auf Kinder des Waldkindergartens Bensheim bezog. Anschließend wurde diese Untersuchung auf weitere Waldkindergärten im gesamten Bundesgebiet ausgedehnt. ...

 

Zusammenfassung

 

Abschliessend können folgende Erkenntnisse aus der Untersuchung festgehalten werden:

 

Die Ausgangshypothese „Kinder aus Waldkindergärten haben mehr Schwierigkeiten im ersten Schuljahr als Kinder aus Regelkindergärten" lässt sich nicht bestätigen. Die Lehrerinnen der ersten Schuljahre schätzen die Kinder aus Waldkindergärten im Mittel in allen abgefragten Lern- und Verhaltensbereichen besser ein als den Durchschnitt ihrer Klasse.

 

Beachtlich ist die Tatsache, dass die drei zentralen Lernbereiche des ersten Schuljahres (Sachunterricht, Leselehrgang, Mathematiklehrgang) die ersten Rangplätze in der Bewertung belegt haben. Die Sorge mancher Eltern, der Waldkindergarten bereite ihr Kind nicht hinreichend auf die Leistungsanforderungen des ersten Schuljahres vor, kann somit als nicht gerechtfertigt angesehen werden.

 

Die empirische Untersuchung bestätigt meine theoretische Argumentation in dem Beitrag „Vernachlässigt der Waldkindergarten die Schulfähigkeit?", die zu der Schlussfolgerung kam: „Prinzipiell kann man davon ausgehen, dass Kinder aus Waldkindergärten zumindest ebenso gut (auf die Schule) vorbereitet werden, wie dies in Regelkindergärten geschieht."(Gorges 1999, S. 117)


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