„Das Wetter, das Wetter, spielt wieder mal verrückt, ...“
Im Waldkindergarten ist das Wetter ein zentrales Thema: bei den Eltern, die überlegen, was sie ihren Kindern jeden Morgen anziehen sollen, bei den ErzieherInnen, die überlegen, wohin sie mit den Kindern bei entsprechendem Wetter in den Wald gehen sollen. – Alles Routine bei „normalem“ Waldkindergartenwetter: Sonne, Regen, etwas kalt, mäßig windig!
Doch was machen wir bei Sturm, Gewittern und Hagel, bei dem „verrückten Wetter“, wie in Rolf Zuckowskis bekannten Lied über das Wetter?
Es ist also sinnvoll, sich etwas mit dem Wettergeschehen zu beschäftigen.
Wie entsteht eigentlich der Wind? Beobachten wir in einem Gebiet einen niedrigen Luftdruck als in einem anderen, so hat die Luft immer das Bestreben, diesen niedrigen Druck auszugleichen. Sie strömt also vom Gebiet des höheren Luftdrucks in das des niedrigen Druckes hinein. Dieses Strömen verspüren wir als Wind. Für die Windstärke ist das Druckgefälle wichtig: Je größer der Druckunterschied, desto heftiger der Wind!
Die Windstärke wird traditionell in der Beaufortskala angegeben, in den Meteorologie wird in Deutschland die Windgeschwindigkeit in km/h angegeben. Die Beaufortskala ist nicht linear aufgebaut, in den unteren Bereichen genügt eine geringe Zunahme der Windgeschwindigkeit, um eine Stärke Bft mehr zu registrieren.
Bft Bezeichnung Km/h Auswirkungen des Windes im Binnenland
0 Still <1 Windstill, Rauch steigt gerade empor
1 leiser Zug 1 –5 Windrichtung wird nur angezeigt durch den Zug des Rauches, aber nicht durch eine Windfahne
2 Leichte Brise 6 – 11 Wind am Gesicht fühlbar, Blätter säuseln, Windfahne bewegt sich
3 Schwache Brise 12 – 19 Blätter und dünne Zweige bewegen sich, der Wind streckt einen Wimpel
4 Mäßige Brise 20 – 28 Der Wind hebt Staub und loses Papier, bewegt Zweige und dünnere Äste
5 Frische Brise 29 – 38 Kleine Laubbäume beginnen zu schwanken
6 Starker Wind 39 – 49 Starke Äste in Bewegung, Regenschirme sind schwierig zu benutzen
7 Steifer Wind 50 – 61 Ganze Bäume sind in Bewegung, fühlbare Hemmung beim Gehen gegen den Wind
8 stürmischer Wind 62 - 74 Bricht Zweige von den Bäumen, erschwert erheblich das Gehen im Freien.
9 Sturm 75 – 88 Kleinere Schäden an Häusern (Rauchhauben und Dachziegel werden abgeworfen)
10 Schwerer Sturm 89 – 102 Bäume werden entwurzelt, bedeutende Schäden an Häusern
11 Orkanartiger Sturm 103 – 117 Verbreitete Sturmschäden (sehr selten im Binnenland!
12 Orkan >117 Schwerste Verwüstungen
An den Beschreibungen der Auswirkungen des Windes wird ersichtlich, dass der Aufenthalt im Wald durchaus auch bei Starkwind schon wohl überlegt sein sollte, denn je nach „Pflegezustand“ und Baumbestand könnten Äste brechen und damit gefährlich werden. Mit beachtet werden muss, dass in Windböen wesentlich höhere Windgeschwindigkeiten auftreten können, die entsprechend Schäden verursachen können.
Aber es ist ja auch bekannt, dass Äste brechen, wenn zu hohe Lasten auf ihnen ruhen: Eisregen, feuchter Schnee oder auch Äste, die sich nach langen Regenfällen sehr mit Wasser vollgesogen haben.
Die konkrete Gefährdung im bespielten Waldareal sollte jeder Waldkindergarten individuell mit dem zuständigen Forstamt abklären.
„...man könnte verzweifeln, wenn man hinauf zum Himmel blickt, ...
Dunkle Wolken, schwefelgelber Himmel, es grummelt ...
Ein Gewitter hat mehrere Aspekte, die es im Waldkindergarten zu beachten gibt: die elektrische Entladung mit Blitz und Donner, der Regen mit Graupelschauern oder Hagel und der Wind, der in Stärke und Richtung sehr unterschiedlich sein kann.
Ein Gewitter entsteht bei großen Spannungsunterschieden in einer Wolke. Übersteigt die Spannung einige hundertausend Volt, entläd sie sich als Blitz, da die isolierende Wirkung der Luft zusammenbricht.
Gewitter treten am häufigsten im Frühjahr und Sommer auf, Wärmegewitter meist im Laufe des Tages am Nachmittag oder Abend. Frontgewitter entstehen, wenn kalte Luftmassen auf warme Luftmassen treffen und diese mit Gewalt nach oben schieben. Die Ausdehnung von Frontgewittern ist wesentlich größer als bei Wärmegewittern, da im Sinne einer Kettenreaktion immer neue Gewitterzellen entstehen.
Sehen wir am Himmel aus einer mittelhohen Bewölkung kleine Haufenwolkenköpfe wie Zinnen aus einer Burg heraus ragen, so ist dieses ein ziemlich sicheres Zeichen für ein entstehendes Gewitter.
Zu Beginn des Gewitters treten heftige Böen bis Sturmstärke auf, deren Richtung oft entgegengesetzt zur Zugrichtung des Gewitters ist. Ihnen folgt die Starkregenzone mit Windböen und unmittelbar danach das Graupel- oder Hagelgebiet. Die Starkregenzone befindet sich in der Regel auf der linken Seite der Gewitterzelle, wenn das Gewitter auf den Beobachter zukommt.
Der gefährliche Bereich im Gewitter ist in der Nähe (bis zu 10 Meter) des Blitzkanals, ein direkter Schlag oder eine Nähe von 1 – 2 Metern können tödlich sein. 50% aller Blitzopfer sterben trotz intensivmedizinischer Behandlung an schwersten Verbrennungen und einem Herz-Kreislaufstillstand.
Der sicherste Ort im Gewitter ist zweifellos ein Farradayscher Käfig oder ein Auto, resp. ein Gebäude mit Blitzableiter. Im freien Gebiet kann der Blitz in alle exponiert stehenden Bäume einschlagen. Hier ist es am besten, sich ganz klein zu machen und sich in die Hocke in einen Graben zu setzen.
Der Aufenthalt im Wald ist gefährlich und muss unterbleiben, denn durch den Wind und die Sturmböen können Äste abbrechen, Bäume entwurzelt werden und der Blitz kann in einzelne Bäume einschlagen.
Vorsicht: auch außerhalb des Regengebietes können Blitze auftreten, deshalb ist es um ein Gewitter genauso gefährlich wie im Zentrum. Vergehen zwischen Blitz und darauf folgendem Donner weniger als 10 Sekunden, ist das Gewitter sehr nah. (Entfernung des Gewitters bei 20°C Lufttemperatur = Schallgeschwindigkeit des Donners: pro Sekunde ca. 240 m, d.h. zählt man zwischen Blitz und Donner 5 Sekunden, ist das Gewitter ca. 1,2 km entfernt, bei 10 Sekunden ca. 2,4 km.)
Weitere Gefahren des Gewitters entstehen durch Hagel und Windhosen, die jedoch eher selten sind. (Laut DWD ca. 5 – 10 Mal pro Jahr in Mitteleuropa)
Windhosen treten in Mitteleuropa immer mit Gewittern auf und sehen wie ein wirbelnder Schlauch aus. Sie sind im Grunde winzige Tiefdruckgebiete, erreichen in der Regel 120 km/h in den Böen und existieren zwischen 1 und maximal 15 Minuten. Der Durchmesser beträgt ca. 100 Meter und sie ziehen ca. 5 bis 10 km weit, bis die Windhose abflaut. Durch die hohen Windgeschwindigkeiten können sie erhebliche Schäden anrichten.
Ebenfalls können Hagelkörner von über 1 cm Durchmesser sehr gefährlich werden, wenn sie wie ein Geschoss auf den Körper prallen.
Also sollte der Wald bei einem aufziehenden Gewitter unverzüglich verlassen und ein sicherer Ort aufgesucht werden.
....wir hätten so gerne ein bischen Sonnenschein ...
denn es ist so kalt! Warum ist es eigentlich bei –5°C und Windstille subjektiv wärmer als bei +2°C und mäßigem Wind?
Die gefühlte Kälte (windchill) kann erheblich von der tatsächlichen abweichen. Der Wind bläst das uns umgebende warme Luftpolster weg, deshalb kühlt unsere Körper schneller aus. Kann unser Körper seine „Betriebstemperatur“ von 37°C, die zum Funktionieren der inneren Organe nötig ist, nicht aufrecht erhalten, so wird die Durchblutung der Hände, Füße, der Nase, der Ohren reduziert, damit mehr Wärme den inneren Organen zur Verfügung steht. Folgen im Extremfall: Erfrierungen und Unterkühlung.
Entscheidend hierbei ist die Windgeschwindigkeit, auch z.B. durch Fahrtwind (Vorsicht Skifahrer!). Für den Körper ist die gefühlte Temperatur ausschlaggebend, , also morgens bitte ein Blick aufs Thermometer und aufs Anemometer (falls vorhanden, sonst reicht der Finger im Wind!).
Gemessene Temperatur 0 Bft 2 Bft 4Bft 6Bft
+4°C + 4°C +2°C -7°C -11°C
+2°C +2°C 0°C -10°C -14°C
0°C 0°C -3°C -13°C -17°C
-5°C -5°C -7°C -18°C -24°C
-10°C -10°C -13°C -25°C -32°C
Eine gute Funktionsbekleidung und Mütze, Handschuhe und gutes Schuhwerk helfen das Auskühlen der Akren zu vermeiden!
...wie kann man nur so launisch wie das Wetter sein?
Und da uns Bauernregeln nicht helfen und wir meistens keine eigene Wettervorhersage mehr machen können, müssen wir auf die Wetterberichte, nicht mehr nur aus TV und Radio zurückgreifen.
In Deutschland gibt es zwei Anbieter von Wetterprognosen: der Deutsche Wetterdienst und meteomedia, der Wetterdienst vom Wetterfrosch Kachelmann, die miteinander konkurrieren und verschiedene Provider mit Wetterdaten „beliefern“.
Neben der privaten Information durch etliche Internetseiten (s.u.) kann sich der Waldkindergarten auch den lokalen Wetterbericht als SMS auf das Handy schicken lassen. Kosten: 19 – 29 ct. pro abgerufener SMS je nach Handyvertrag.
www.dwd.de
www.meteomedia.de
www.wetter.msn.de
www.wetter-online.de
www.wetter.com
Annegret Kollmeier-Loew
Natürlich ist es im Winter kalt und man muss einige Dinge beachten. Angemessene Kleidung (und Wechselsachen), ausreichend Bewegung, die Kinder müssen trocken bleiben... .
Im Austausch mit Gesundheitsämter muß deutlich werden, dass die Waldkindergärten gerade deshalb konzipiert wurden, weil den Eltern und ErzieherInnen die Gesundheit der Kinder am Herzen liegt, sie u.a. deshalb in den Wald gehen und die Regeln auf jeden Fall beachtet. (Legt diese Dinge auch in eurer Konzeption, Elterninfo o.ä. fest.)
Ansonsten könnt ihr natürlich auch auf all die Waldkindergärten in Deutschland verweisen. Jeder einzelne wird euch bestimmt schriftlich geben, dass es ein leichtes ist die Kälte zu bewältigen.
Ausserdem habe ich noch nie gehört, dass man Kindergartenkinder im Winter nicht auf das Aussengelände lassen darf. Wäre ja auch eine Katastrophe. Aber gerade dort sind Kinder oft nicht ausreichend warm angezogen, da Eltern ihren Kindern falsche Kleidung anziehen.
Wenn die LJÄ aller 16 Bundesländer mittlerweile rund 250 Waldkindergärten und Waldgruppen im Ganzjahresbetrieb genehmigt haben, zeigt dies, dass der Ganzjahresbetrieb, sofern die üblichen Regeln eingehalten werden, gesundheitlich völlig unbedenklich ist. Andernfalls hätte den Kigä ja schon "von Amts wegen" die Zulassung entzogen werden müssen. Diese Überlegung korrespondiert mit den praktischen Erfahrungen aus 10 Jahren Waldkindergarten in Deutschland. Diese Erfahrungen zeigen, dass der Ganzjahresbetrieb gesundheitlich nicht nur unbedenklich ist, sondern die Konstitution und die Gesundheit der Kinder in besonderem Maße fördert. Das ist auch fachlich im allgemeinen unbestritten. Es gibt also keinen sachlichen Grund, den Betrieb Ihres Waldkindergartens auf die 4 Sommermonate zu befristen. Geschieht dies doch, so ist die Entscheidung ermessensfehlerhaft und damit rechtswidrig. Sie kann ggf. mit Widerspruch und Klage angefochten werden.
Das LJA hat sich bei der Betriebserlaubniserteilung an der allgemein in Deutschland üblichen Praxis und den Erfahrungen aus 10 jahren Waldkiga-Alltag zu orientieren. Die (nicht mit konkreten Fakten begründete!) Haltung des GA in Brandenburg ist so abwegig, dass sie nicht als Grundlage für eine abweichende Entscheidung angenommen kann.
Es gilt also auch hier wieder mal der Gleichbehandlungsgrundsatz: Ihr KiGa ist genau so zu behandeln wie die 250 Waldkigä vor ihm.
Im übrigen: In Schweden sind 15 bis 20 % aller Kigä Waldkigä mit Ganzjahresbetrieb. Das wäre sicherlich nicht so, wenn gesundheitliche Risiken mit dieser Betriebsform verbunden wären. Wobei man nicht vergessen darf: Schweden hat weitaus unwirtlichere Klimaverhältnisse als wir hier.
Wer mehr über Gesundheit im Wald wissen will, kann sich unter www.lpal.slu.se/personal/patrikg.html
(deutsche Übersetzung) informieren.
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