Sprachförderung


Rahmenbedingungen für eine gelungene Sprachförderung im Waldkindergarten

Die Methodik der Sprachförderung im Waldkindergarten unterscheidet sich nicht von der in einem „Hauskindergarten“. Im Gegenteil, alle bewährten und vielfach beschriebenen Methoden, Fingerspiele, Bewegungsspiele, Lieder, Beobachtungsbögen und diagnostischen Instrumente (BISC, Seldac, Sismic) werden genauso genutzt. Aber der Waldkindergarten an sich mit seinen Rahmenbedingungen unterscheidet sich sehr stark von einem „Hauskindergarten“.

Der Alltag im Waldkindergarten ist gekennzeichnet durch den ständigen Aufenthalt draußen. Der Wald unterliegt einer langsamen, stetigen, manchmal auch abrupten Veränderung. Diese Veränderungen sind eine permanente Gelegenheit (Einladung/Aufforderung) für die Kinder zu beobachten, zu vergleichen und die Unterschiede, die sie bemerken mitzuteilen. Diese Veränderungen sind nicht langweilig und ohne Bezug auf die Lebenswelt des Kindes, sondern interessant. Sie fordern es zu weiteren Erkundigungen, zu Überlegungen und zum Ausprobieren heraus. Die unzähligen Sprachanlässe, die sich dadurch im Waldkindergarten ergeben, fördern den Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit der Kinder. Auch komplizierte Pflanzennamen, z.B. „Frühlingsscharbockskraut“ kommen schon 4- Jährigen problemlos über die Lippen. Kinder erfahren im Spiel und im Gespräch mit den ErzieherInnen die vielfältigen Möglichkeiten, ihre Umgebung zu bezeichnen, z.B. einen Stock: Ast, kleiner Stamm (dieses ist eine Frage der Perspektive!), Ästchen, Reiser, Reisig, Stab, Rute, Zweig oder Stock. Das Interesse mit sprachlicher Differenzierung umzugehen ist spätestens mit Ende der Kindergartenzeit deutlich zu bemerken.

Der Waldkindergarten hat kein in seiner Funktion vorgefertigtes und festgelegtes Spielzeug, keine Legosteine und keine eingerichtete Puppenecke. Das Material zum Spiel findet das Kind selber und muss es in Diskussion mit seinen Spielkameraden in seiner Funktion festlegen: sind die Eicheln nun Geldstücke, um im Kaufmannsladen zu bezahlen, oder sind es die Eier, die verkauft werden sollen? Die Spielideen entstehen zuerst in der Fantasie der Kinder, die Räume, die zu Spiel nötig sind, müssen beschrieben werden, die Handlungen mitgeteilt oder angewiesen, die benötigten Utensilien gesucht und benannt werden. Auch das geht nicht ohne Diskussion vonstatten, wenn mehrere Spielideen miteinander konkurrieren und die Kinder sich auf eine Idee einigen müssen.

Gelegenheiten zum Sprechen? Mehr als genug!

Die Rolle der ErzieherInnen besteht hier darin, behutsam klärend und im Verlauf des Spieles eventuell helfend zu unterstützen und (falls überhaupt nötig) neue Impulse zu setzen.

Ein Waldkindergarten kann nur funktionieren, wenn die Kinder sowohl untereinander als auch zu den ErzieherInnen eine besonders vertrauensvolle Beziehung aufgebaut haben, die den Kindern Sicherheit bietet und gleichzeitig Mut gibt, sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten auszuprobieren: die Kinder erfahren, dass es richtig und gut ist, sich mitzuteilen. Die Freude, etwas entdeckt zu haben, die Trauer, wenn etwas zerstört wurde, die Wut, wenn etwas nicht klappt, und den Spaß, den man bei vielen Spielen miteinander hat. Oder - und das sind sehr beglückende Momente im Kindergartenalltag - wenn das Kind anfängt, über eine Beobachtung oder Situation zu philosophieren. Und das ist gar nicht selten.

Der Wald ist voll von „Bewegungsbaustellen“ und „Turnstunden“. Die Kinder sind ständig motorisch gefordert und dadurch sowohl grob- wie auch feinmotorisch schon früh sehr geschickt. Spaß an Bewegung wohnt jedem Kind inne. Überkreuzbewegungen und Balancieren sind Gymnastik für das Gehirn und fördern die Konzentration. So ist es schon lange bekannt, dass eine gute körperliche Bewegungsfähigkeit die geistige Beweglichkeit und schulische Leistungen, z.B. beim Rechnen, fördert.

Eine wichtige Grundbedingung für die gute Entwicklung des sprachlichen Ausdruckvermögens ist gut hören zu können. In einer lauten Umgebung können sich Kinder schlecht konzentrieren, „schalten ab“ und hören nicht mehr zu. Die einzelnen Laute der Wörter können nicht korrekt verstanden werden, die Lautdifferenzierung ist erschwert und undeutliches Sprechen häufig die Folge. Zurecht fühlen sich viele ErzieherInnen im „Hauskindergarten“ durch die nachgewiesenen hohen Lärmpegel von 80-85 DbA stark belastet.

Solche hohen Lärmpegel treten im Wald nicht auf, es herrschen hier moderate natürliche Hintergrundgeräusche mit meditativem Charakter (Vogelgezwitscher, Blätterrauschen mit ca 40 DbA) vor. Störungen wie Sprachgewirr und Nachhalleffekte, die von Kindern, je jünger sie sind, desto schwerer kompensiert werden können, treten nicht auf. Lärm verhindert das Behalten von Sprache im Kurzzeitgedächtnis. Das sprachliche Kurzzeitgedächtnis bildet das Fundament für die Ausformung des Wortschatzes sowie für die sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Die grammatikalische Kompetenz, das Lesen und Schreiben lernen und der Fremdsprachenerwerb bauen ebenfalls auf dieses Fundament auf.

Der Waldkindergarten bietet daher nachgewiesenermaßen auch optimale akustische Voraussetzungen, und das ohne Investitionskosten.

Der LV der Waldkindergärten findet es daher wichtig, dass alle Akteure in der frühkindlichen Bildung darauf hinwirken, altersgerechte Bedingungen für einen optimalen frühkindlichen Spracherwerb zu schaffen.

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Weitere Informationen erhalten Sie beim Vorstand des Landesverbandes der Wald- und Naturkindergärten NRW e.V.

Elisabeth Lacis (1. Vorsitzende) lacis@waldkindergaerten-nrw.de